09. bis 13. Jänner 2019

 

Über zehn Jahre bin ich schon als Tourenführer für Skitouren für den Alpenverein tätig. Nach der Frage zu meiner Qualifikation blicke ich oft in verwunderte, teils verunsicherte Gesichter, besonders bei Neueinsteiger, ein Diplom zählt halt mehr als jahrelange Erfahrung. Der Alpenverein fördert und fordert die Aus- und Weiterbildung seiner Tourenführer. Ich beschließe also, die Übungsleiterausbildung für Skitouren zu absolvieren.

Mit geringer Erwartungshaltung fuhr ich ins Schmirntal nach St. Jodok. Durch Lawinenwarnstufe 4 und die prognostizierten weiteren heftigen Schneefälle sah ich mich die kommenden Tage nur Schnee schaufeln und Theorie pauken.

Bergführer Wolfgang Goriup, Magdalena Habernig und Christian Damisch

Trotz leichter Verspätung wurden wir im Bergsteigerhotel „Das Lamm“ herzlich empfangen, nach Begrüßung und Vorstellungsrunde starten wir mit den Theorieblöcken „Stop or GO“, „Materialkunde“, „Notfall Lawine“ und „Erste Hilfe“
Am Abend werden die 19 Teilnehmer per Zufallsprinzip in drei Gruppen aufgeteilt, nur Miriam wollte unbedingt in unsere Gruppe, oder besser gesagt zu unserer Bergführerin Magdalena. Eine gute Wahl.
Nach dem Abendessen wartet für die Gruppe noch die Tourenplanung für den nächsten Tag. Bei der Vielzahl der Tourenmöglichkeiten in Kombination mit der angespannten Lawinenlage und Ideen von sechs angehenden Tourenführer bedarf es jeden Tag etwas Zeit, bis sich die Gruppe auf ein Ziel einigt. Aber es bleibt immer noch genug Zeit für weitere „Fachgespräche“ am Wirtshaustisch.

Neuschnee und unverspurte Hänge von Loreswald auf die Leiten war perfekt zum Üben der Spuranlage und der Orientierung. Nach der Traum – Powderabfahrt fellen wir nicht ohne Hintergedanken wieder an, um weiter oben einen windgeschützten Platz für die erste LVS-Übung zu suchen.
Die Gruppe ist sehr homogen und das Niveau überraschend hoch. Nach erfolgreich absolvierter Übung belohnen wir uns mit einer zweiten Tiefschneeabfahrt, nur ein verdrehtes Knie von Marlene trübt etwas die Stimmung, sie muss am nächsten Tag pausieren.

Nach der Skitour steht jeden Tag noch eine Lehreinheit auf dem Programm: Wetter (Magdalena ist Meteorologin), Natur und Umwelt (Kursteilnehmer Josef arbeitet im Alpenvereinshaus in der Abteilung Raumplanung und Naturschutz), Kartenkunde, Recht, …

Bei sonnigen aber kalten Wetter steigen wir am Freitag auf die Vennspitze im Valsertal. Neben weiteren Lehrinhalten kommt heute der gruppendynamische Prozess ganz automatisch aufs Tableau: wir drehen 50m unter dem Gipfel wegen Triebschnee am Gipfelgrat um.

Die zweite Gruppe um Bergführer Christian treffen wir im Gasthof Steckhofer, jede Gruppe präpariert der anderen ein Lawinenszenario mit drei Verschütteten, eine sehr interessante Übung.

Bei einer Modetour wie den Eggerberg von Vinaders Orientierung ohne GPS zu üben macht normalerweise nicht viel Sinn. Wir verlassen also die Tourenautobahn und suchen uns einen eigenen Weg übers Eggerjoch zum Gipfel. Das man auch übertreiben kann, sehen wir in der Abfahrt, wir landen auf der falschen Seite eines Grabens. Das geht auf meine Kappe.

Statt einer Prüfung werden zum Abschluss die erlernten Themenfelder von Dreiergruppen anschaulich präsentiert. Eine gute Idee.
Aus den anfänglichen Bedenken wurden fünf schöne, lehrreiche Tage. Danke an die Kursleiter.

Robert Mair